„Spritzen-Therapie“ am Auge
Eine Spritze ins Auge zu bekommen kann zunächst sehr beunruhigend wirken. Oft ist die Vorstellung davon jedoch belastender als die Behandlung selbst. Die Spritzentherapie ist heute ein bewährtes Verfahren in der Augenheilkunde und wird bei verschiedenen Netzhauterkrankungen eingesetzt, um die Wirkstoffe gezielt dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden.
Veröffentlicht am, 28. September 2026
Die Spritzen-Therapie, oder auch intravitreale Injektionstherapie genannt, also die Verabreichung eines Medikaments direkt in den Glaskörper des Auges, ist heutzutage eine wichtige Behandlungsmöglichkeit.
Diese wird angewandt bei allen Netzhaut-Erkrankungen, bei denen sich Flüssigkeit in der Netzhaut sammelt. Bei Veränderungen wie der feuchten/neovaskulären altersbedingten Makuladegeneration (AMD), dem diabetischen Makulaödem (DME) und auch dem retinalen Venenverschluss (RVO) ist die Spritzen-Therapie seit vielen Jahren eine etablierte Therapie um die Sehkraft zu erhalten.
Dabei wird ein Medikament mit einer sehr feinen Nadel direkt in das Augeninnere, in den Glaskörper, gespritzt. So gelangt der Wirkstoff genau dorthin, wo er gebraucht wird: in die Nähe der Netzhaut und der Makula. Gleichzeitig werden Nebenwirkungen im Rest des Körpers vermieden, weil das Medikament sehr zielgerichtet eingesetzt werden kann.
Die wichtigsten Merkmale der Spritzen-Therapie im Überblick:
Schmerzarm dank lokaler Betäubung: Vor der Spritze werden Ihnen betäubende Augentropfen verabreicht, damit die Behandlung möglichst angenehm verläuft.
Meist nur ein kurzer Moment: Die eigentliche Injektion empfinden die meisten Menschen als kurzes Druckgefühl oder leichten Stich, manche bemerken sie überhaupt nicht.
Individuelle Intervalle: Die Wirkung der Medikamente ist zeitlich begrenzt. Die Injektionen müssen deshalb regelmäßig wiederholt werden. Die Abstände sind nicht fix vorgegeben, sondern richten sich danach, wie dein Auge auf die Behandlung anspricht.
Klares Ziel der Therapie: In vielen Fällen lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Bei einem Teil der Betroffenen gelingt es sogar, das Sehvermögen wieder zu verbessern.
Geschützter Rahmen: Die Behandlung findet in einem sterilen Operationsraum statt und kann in der Regel ambulant durchgeführt werden.
Die Anwendungsbereiche der Spritzen-Therapie am Auge
Eine Spritzen-Therapie kommt bei verschiedenen Erkrankungen der Netzhaut zum Einsatz, vor allem bei der feuchten altersabhängigen Makuladegeneration (nAMD), beim diabetischen Makulaödem (DME) und bei einem Makulaödem durch einen retinalen Venenverschluss (RVO). All diese Erkrankungen haben eines gemeinsam: Im erkrankten Auge werden Botenstoffe ausgeschüttet, die das Wachstum neuer, undichter Blutgefässe und die Bildung von Flüssigkeitsansammlungen begünstigen. Genau hier setzt die Spritzen-Therapie an. Mit einer feinen Nadel werden Medikamente direkt in das Auge verabreicht und hemmen die Botenstoffe.
Diese Medikamente können dadurch:
das Wachstum neuer, undichter Blutgefässe reduzieren.
die Sehkraft längerfristig erhalten.
das Sehvermögen in vielen Fällen sogar wieder verbessern.
Bei folgenden Erkrankungen wird eine Spritzen-Therapie besonders häufig durchgeführt:
Feuchte altersabhängige Makuladegeneration (nAMD)
Bei der feuchten nAMD reagiert das Netzhautgewebe auf die unzureichende Nährstoffversorgung der Sehzellen mit der Ausschüttung jener Botenstoffe, die neue Blutgefässe wachsen lassen. Diese Gefässe sind oft instabil. Flüssigkeit oder Blut können in das umliegende Gewebe austreten und das Sehvermögen beeinträchtigen. Für die feuchte nAMD sind heute mehrere Medikamente zugelassen, die diese Botenstoffe gezielt hemmen. Die Spritzen-Therapie hemmt das Wachstum der neuen, undichten Blutgefässe. Dies kann zu einem längeren Erhalt der Sehkraft beitragen und diese in manchen Fällen sogar wieder verbessern.
Diabetisches Makulaödem (DME)
Beim DME bilden sich die Botenstoffe als Folge der durch Diabetes geschädigten Blutgefässe. Sie begünstigen sowohl das Wachstum neuer, undichter Gefässe als auch die Schwellung (das Ödem) in der Makula. Auch hier zählt die Spritzen-Therapie zu den wichtigsten Behandlungsformen. Sie reduziert das Wachstum neuer Blutgefässe, welche die Ödembildung fördern. Zusätzlich ist eine gute Einstellung von Blutzucker und Blutdruck essenziell, um einem DME entgegenzuwirken.
Retinaler Venenverschluss (RVO)
Infolge eines retinalen Venenverschlusses tritt auch häufig ein Makulaödem aufgrund der Unterversorgung mit Nährstoffen auf. Auch hier wird die Spritzen-Therapie angewendet um die Botenstoffe, die das Gefässwachstum begünstigen, zu hemmen. Bei vielen Betroffenen bessert sich die Sehschärfe bereits innerhalb von Tagen messbar. Auch hier sind wiederholte Injektionen notwendig.
Die wichtigsten Fragen zur Spritzen-Therapie
Die eigentliche Injektion ist innerhalb weniger Sekunden vorbei. Für den gesamten Aufenthalt in der Praxis oder Klinik solltest du jedoch trotzdem etwa ein bis zwei Stunden einplanen. In dieser Zeit erfolgt die Vorbereitung. Während des tatsächlichen Eingriffs wird das Auge betäubt und desinfiziert. Dann wird die Spritze gesetzt und das Auge anschliessend entsprechend versorgt.
Diese Frage stellen sich viele Patientinnen und Patienten. Doch die meisten berichten im Nachhinein, dass die intravitreale Injektion deutlich weniger unangenehm war als zuvor befürchtet.
In der Regel ist die IVT nicht schmerzhaft, da das Auge mit Augentropfen betäubt wird. Patient:innenberichten zufolge wird die Injektion höchstens als leichtes Druckgefühl oder Kratzen wahrgenommen, manche bemerken sie gar nicht.
Nach der Behandlung empfiehlt es sich, deinen Augen etwas Ruhe zu gönnen. Am besten verbringst du die Zeit nach dem Termin mit geschlossenen Augen, in entspannter Umgebung auf dem Sofa oder im Bett.
Nein, am Tag der Behandlung solltest du weder Auto noch Fahrrad fahren. Da die Sicht nach der Injektion etwas verschwommen sein kann, ist es wichtig, dass du die Hin- und Rückfahrt zur Praxis frühzeitig organisierst. Eine Begleitperson kann auch mentale Unterstützung sein.
Die Wirkung der Medikamente ist zeitlich begrenzt. Damit der Behandlungserfolg erhalten bleibt, müssen die Injektionen deshalb regelmässig wiederholt werden. Wie oft das nötig ist, lässt sich nicht im Voraus festlegen. Die Abstände richten sich danach, wie gut das Auge auf die Therapie anspricht.
Mittlerweile gibt es verschiedene Spritzen-Präparate auf dem Markt. Diese unterscheiden sich aufgrund ihres Wirkmechanismus, sowie auch Unterschiede in der Dauer der spritzenfreien Intervallen. Es gibt Originalpräparate, sowie auch bereits einige Biosimilars auf dem Schweizer Markt.
Falls du dich hier etwas mehr informieren willst, hilft Retina Suisse, Patientenorganisation für Netzhauterkrankungen, gerne weiter. Sie kann dir auch Auskunft über die verschiedenen Therapie-Möglichkeiten geben.
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