Altersabhängige Makuladegeneration (AMD) einfach erklärt
Die altersabhängige Makuladegeneration (kurz AMD) ist eine chronische Erkrankung, die den Punkt im zentralen Bereich der Netzhaut betrifft, der für das schärfste Sehen verantwortlich ist: die Makula.
Veröffentlicht am, 28. September 2026
AMD kann eines oder beide Augen betreffen und das Sehvermögen stark beeinträchtigen. Zur völligen Erblindung führt sie in der Regel jedoch nicht.
Ihren Namen verdankt sie der Tatsache, dass sie bei Menschen mit zunehmendem Alter häufiger auftritt: In der Altersgruppe der 55- bis 59-Jährigen hat etwa eine von 30 Personen eine AMD, ab 85 Jahren ist fast jede fünfte Person betroffen.
Wie entsteht die AMD?
Bei der altersabhängigen Makuladegeneration ist der Stoffwechsel der Netzhaut gestört. Mit zunehmendem Alter verändert sich dieser. Stoffwechsel-Endprodukte, die normalerweise abgebaut werden, lagern sich unter der Netzhaut ab und bilden kleine, gelbliche Ablagerungen: die sogenannten Drusen. Sie erschweren die Nährstoffversorgung der Photorezeptoren (die Sinneszellen, die Licht in elektrische Signale umwandeln und so das Sehen erst möglich machen).
Die zwei Formen der AMD
Ärztinnen und Ärzte unterscheiden bei der altersabhängigen Makuladegeneration zwei Formen: die trockene und die feuchte AMD.
1. Die feuchte AMD
Die feuchte AMD (auch neovaskuläre AMD oder kurz nAMD genannt) entwickelt sich häufig aus einer trockenen Form und betrifft etwa jede zehnte Person mit trockener AMD. Sie kann aber auch ohne vorherige trockene Phase auftreten.
Als Reaktion auf die Drusen und den Nährstoffmangel schüttet das Netzhautgewebe Botenstoffe aus, die das Wachstum neuer Blutgefässe anregen. Diese Gefässe sind jedoch oft instabil und durchlässig. So können Flüssigkeit oder Blut in das umliegende Gewebe austreten und ein Ödem bilden, das die Sehfunktion beeinträchtigt.
Die feuchte AMD schreitet meist schneller voran als die trockene Form. Die gute Nachricht: Sie lässt sich heute wirksam behandeln.
2. Die trockene AMD
Die trockene AMD (in der Fachsprache geografische Atrophie) betrifft 80–90 % aller AMD-Fälle und ist somit die häufigere Form. Durch eine Ablagerung von Stoffwechsel-Abfallprodukten unter der Netzhaut werden die Sehzellen unzureichend mit Nährstoffen versorgt. Dies beeinträchtigt in der Folge das zentrale Sehen. Die trockene Form der AMD verläuft eher langsam und lässt sich bisher noch nicht wirksam behandeln.
Wie macht sich eine altersabhängige Makuladegeneration bemerkbar?
Die ersten Anzeichen einer AMD sind oft so subtil, dass sie kaum auffallen. Manche Betroffene bemerken in den frühen Phasen überhaupt keine Veränderung ihres Sehvermögens. Genau das macht die Erkrankung so tückisch. Schreitet die AMD voran, können sich nach und nach verschiedene Symptome zeigen. Welche das im Einzelnen sind, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
Typische Anzeichen einer AMD sind:
Gegenstände, auf die man seinen Blick richtet, erscheinen verschwommen oder verzerrt.
Im Zentrum des Gesichtsfeldes taucht ein leerer oder grauer Fleck auf.
Gesichter erscheinen verschwommen.
Das Lichtbedürfnis am Tag nimmt zu (z. B. beim Lesen).
Die Blendempfindlichkeit, z. B. beim Autofahren in der Nacht, steigt an.
Gerade Linien (z. B. Türrahmen, Fugen zwischen Fliesen oder Gartenzäune) erscheinen verbogen oder verzerrt.
Farben werden blasser oder schwächer wahrgenommen.
Wie erfolgt die Diagnose einer AMD?
Eine frühe AMD-Diagnose kann für den weiteren Verlauf der Erkrankung entscheidend sein. Bemerkst du eines oder mehrere der oben genannten Symptome oder andere Veränderungen in deinem Sehvermögen, so ist es wichtig, schnellstmöglich einen Augenarzt oder eine Augenärztin aufzusuchen.
Doch wie erfolgen Untersuchung und Diagnosestellung bei altersabhängiger Makuladegeneration und anderen Erkrankungen der Netzhaut genau?
Das Gespräch zu Beginn
Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch. Die Augenärztin oder der Augenarzt erkundigt sich nach deinen aktuellen Beschwerden, nach Vorerkrankungen, nach Medikamenten, die du einnimmst, sowie nach Augenerkrankungen in deiner Familie.
Klassische Sehtests
Anschliessend werden Sehschärfe, Farbsinn und Gesichtsfeld geprüft. Mithilfe einer Spaltlampe lassen sich die vorderen Augenabschnitte sowie die Makula und der Sehnerv genauer beurteilen.
Blick auf den Augenhintergrund
Bei der Augenhintergrundspiegelung (Ophthalmoskopie) beurteilt die Fachperson die Netzhaut und erkennt mögliche Veränderungen wie etwa Drusen-Ablagerungen.
Bildgebende Verfahren
Die optische Kohärenztomografie (OCT) ist heute das wichtigste Verfahren bei AMD: Sie liefert detaillierte Querschnittsbilder der Netzhaut und macht selbst kleinste Veränderungen oder Schwellungen der Makula sichtbar. Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten. Auch für die spätere Verlaufskontrolle ist die OCT von zentraler Bedeutung.
Besteht der Verdacht auf eine feuchte AMD, kommt zusätzlich die Fluoreszenz-Angiographie zum Einsatz. Dabei wird ein Farbstoff in eine Vene am Arm gespritzt, um die Blutgefässe in der Netzhaut sichtbar zu machen und krankhaft neugebildete oder undichte Gefässe zu erkennen.
In Ausnahmefällen kann eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden, um das diagnostische Bild zu ergänzen.
Amsler-Gitter-Test
So führst du den Amsler-Gitter-Test durch:
Falls du normalerweise eine Brille trägst, lass diese beim Betrachten des Gitters bitte auf.
Bedecke ein Auge um das Sehvermögen des anderen Auges zu überprüfen. Wichtig dabei ist, dass das abgedeckte Auge nicht zusammengekniffen wird, da dies das Ergebnis verzerren könnte.
Betrachte das Gitter aus einer Entfernung von 30–40 cm.
Schau direkt auf den schwarzen Punkt in der Mitte des Gitters.
Wiederhole die Schritte 1–4 um das andere Auge zu überprüfen.
Falls die Linien verschwommen oder gewellt erscheinen, oder du dunkle oder leere Stellen bemerkst, sprich umgehend mit deiner Augenärztin oder deinem Augenarzt darüber.
Amsler-Gitter-Test
Diagnose AMD – was nun? Risikofaktoren & vorbeugende Massnahmen
Die Entstehung einer AMD ist durch eine Vielzahl von Faktoren bedingt. Einige davon lassen sich aktiv beeinflussen, andere leider nicht. Doch genau hier liegt eine wichtige Chance: Vorbeugende Massnahmen können sich durchaus positiv auf den Verlauf der Erkrankung auswirken.
Zu den Risikofaktoren, die du aktiv beeinflussen kannst, zählen:
Rauchen
ungesunde Ernährung
UV-Strahlung
Gewichtskontrolle
Behandlung von Bluthochdruck
Manche Risikofaktoren lassen sich nicht beeinflussen. Dazu gehören:
Das fortschreitende Lebensalter
Eine familiäre Vorbelastung mit AMD
Informationen zu körperlicher Aktivität und Sport gibt es auf den Webseiten des Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverbands und EnableMe:
Hilfreiche Unterstützung im Alltag mit AMD
Eine AMD führt in der Regel nicht zur vollständigen Erblindung. Auch im fortgeschrittenen Stadium bleibt das periphere Sehen, also alles ausserhalb des zentralen Sehfelds, erhalten. Selbst wenn beide Augen betroffen sind, können sich die meisten Menschen mit AMD weiterhin selbstständig orientieren und ihren Alltag gut bewältigen.
Um diesen zu erleichtern, gibt es heute eine Vielzahl an Geräten und Hilfsmitteln, auf die du zurückgreifen kannst.
Optische Hilfsmittel für das Lesen wie Lupenbrillen, Standlupen, Bildschirmlesegeräte oder Spezialbrillen mit Kantenfilter
Sprechende Alltagsgeräte wie Uhren, Waagen oder Farberkennungsgeräte
Digitale Helfer wie Smartphones mit Vergrösserungs- und Vorlesefunktion, sprachgesteuerte Assistenten oder Mini-Kameras mit Texterkennung
Anpassungen im Zuhause wie gute Beleuchtung, sprachgesteuerte Konstruktionen, kontrastreiche Markierungen und übersichtliche Strukturen
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