Retinaler Venenverschluss (RVO): Was steckt dahinter?

Ein retinaler Venenverschluss (kurz RVO) ist eine Erkrankung der Netzhaut, die sich entwickelt, wenn eine der Venen, die das Blut aus der Netzhaut (med. Retina) abtransportieren, blockiert wird.

Veröffentlicht am, 28. September 2026

Dies kann beispielsweise durch ein Blutgerinnsel geschehen. Führt dies zum Austritt von Blut und Flüssigkeit in das umliegende Gewebe, kann ein Ödem entstehen. Betrifft dies die Makula (den zentralen Teil der Netzhaut, der für das scharfe Sehen verantwortlich ist) spricht man von einem Makulaödem. Wird die Durchblutung des Auges durch diesen Verschluss beeinträchtigt, kann das zu einer Verminderung des Sehvermögens führen.

Wie entsteht ein Venenverschluss am Auge?

Die Netzhaut ist eine lichtempfindliche Gewebeschicht im Augeninneren. In ihrem Zentrum liegt die Makula (der gelbe Fleck). Diese ist ein winziger Bereich (etwa 5 mm Durchmesser), auf dem besonders viele Sinneszellen liegen. Dank der Makula können wir lesen, Gesichter erkennen und feine Details wahrnehmen.

Damit die Netzhaut ihre anspruchsvolle Aufgabe erfüllen kann, ist sie auf eine konstante Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen angewiesen. Diese erfolgt über ein feines Netz aus Blutgefässen: Arterien transportieren frisches, sauerstoffreiches Blut in die Netzhaut, während Venen das verbrauchte Blut zurück zum Herzen leiten.

Blockierte Augenvenen: eine Gefahr für das Sehvermögen

Wird eine dieser Venen blockiert – häufig durch ein Blutgerinnsel, das sich an einer Engstelle abgelagert hat – kann das Blut nicht mehr abfliessen. Es staut sich in der verschlossenen Vene. Der Augendruck steigt, und Blut sowie Flüssigkeit treten in das umliegende Netzhautgewebe aus. Dadurch entsteht eine Schwellung, ein sogenanntes Ödem, das auch die Makula betreffen kann.

Der Rückstau hat noch eine weitere Folge: Über die Arterien gelangt nicht mehr genügend frisches Blut zur Netzhaut. Die empfindlichen Sinneszellen werden schlechter durchblutet und in ihrer Funktion beeinträchtigt. Die Folge: Das Sehvermögen lässt nach.

Ist die Blutzufuhr über einen längeren Zeitraum vermindert, so sendet die Netzhaut Botenstoffe aus, die das Wachstum neuer Blutgefässe anregen. Diese neugebildeten Gefässe sind jedoch meist instabil und durchlässig – sie können selbst zu Schwellungen wie einem Makulaödem beitragen.

Verschiedene Formen des Venenverschlusses

Ärztinnen und Ärzte unterscheiden beim retinalen Venenverschluss zwei Hauptformen:

1. Zentralvenenverschluss (Central Retinal Vein Occlusion, CRVO)

Die Hauptvene der Netzhaut, die das gesamte Blut aus der Retina abtransportiert, ist blockiert. Das betrifft die ganze Netzhaut – die Sehverschlechterung tritt meist plötzlich und ausgeprägt auf.

2. Venenastverschluss (Branch Retinal Vein Occlusion, BRVO)

Hier sind nur kleinere Äste der Zentralvene verschlossen. Nur ein Teil der Netzhaut ist betroffen, und die Sehverschlechterung fällt entsprechend geringer aus.

Wie macht sich ein Makulaödem nach retinalem Venenverschluss bemerkbar?

Welche Symptome auftreten, hängt davon ab, wo und in welchem Ausmass die Vene verschlossen ist.

Bei einem Zentralvenenverschluss (CRVO) ist die gesamte Netzhaut betroffen. Die Sehverschlechterung tritt häufig plötzlich auf. Innerhalb kürzester Zeit können Erkrankte auf dem betroffenen Auge nicht mehr scharf sehen.

Bei einem Venenastverschluss (BRVO) ist nur ein Teil der Netzhaut betroffen. Die Sehverschlechterung fällt entsprechend geringer aus und beschränkt sich oft auf einen bestimmten Bereich des Sichtfelds.

Morgens stärker, abends besser 

Charakteristisch für einen retinalen Venenverschluss ist, dass die Sehbeschwerden morgens meist stärker ausgeprägt sind als abends. Der Grund: In der Nacht, im Liegen, kann die Flüssigkeit aus dem Kopfbereich schlechter abtransportiert werden. Sie staut sich in der Netzhaut und führt morgens zu einer ausgeprägteren Schwellung.

Wenn sich ein Makulaödem entwickelt hat, berichten Betroffene oftmals über folgende Veränderungen:

  • Unscharfes, verschwommenes Sehen 

  • Blasser oder matt wirkende Farben 

  • Leere Bereiche, dunkle Flecken oder Streifen im Gesichtsfeld 

Wie erfolgt die Diagnose von RVO?

Da sich ein retinaler Venenverschluss oft sehr plötzlich bemerkbar macht (etwa durch eine spürbare Sehverschlechterung an einem Auge) solltest du bei verdächtigen Anzeichen rasch eine Augenärztin oder einen Augenarzt aufsuchen. Je früher der Verschluss erkannt und behandelt wird, desto besser lässt sich die Sehkraft erhalten.

Doch wie wird die Diagnose eines retinalen Venenverschlusses tatsächlich gestellt?

Das Gespräch und der Sehtest

Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch über deine Beschwerden, Vorerkrankungen, eingenommene Medikamente und mögliche Augenerkrankungen in der Familie. Anschliessend wird mit einem Sehtest deine Sehschärfe (Visus) bestimmt.

Untersuchung des Augenhintergrunds (Funduskopie)

Bei der Funduskopie wird der Augenhintergrund mithilfe eines Augenspiegels betrachtet. Dabei lassen sich Netzhaut und Makula direkt beurteilen. Augenärztin oder Augenarzt erkennen typische Veränderungen, die auf einen Venenverschluss hindeuten, sofort, etwa an Blutungen, Schwellungen oder Stauungen in den Gefässen.

Bildgebende Verfahren

Bei Verdacht auf einen RVO kommt sehr häufig die optische Kohärenztomografie (OCT) zum Einsatz. Sie liefert hochauflösende Querschnittsbilder der Netzhaut und macht selbst kleinste Flüssigkeitsansammlungen sichtbar. So lässt sich feststellen, ob sich bereits ein Makulaödem entwickelt hat. Die OCT ist schmerzfrei, dauert nur wenige Minuten und ist auch für die Verlaufskontrolle während der Therapie wichtig.

Zusätzlich kann eine Fluoreszenz-Angiographie durchgeführt werden. Dabei wird ein spezieller Farbstoff in eine Vene am Arm gespritzt, der über den Blutkreislauf bis in die feinen Gefässe der Netzhaut gelangt. So lassen sich die Durchblutung der Netzhaut beurteilen und krankhafte oder undichte Blutgefässe erkennen.

Risikofaktoren & vorbeugende Massnahmen 

Das Risiko für einen retinalen Venenverschluss steigt mit fortschreitendem Lebensalter. Doch auch andere Faktoren können eine Rolle spielen.

Zu den häufigsten Risikofaktoren eines Venenverschlusses der Netzhautgehören: 

  • Bluthochdruck

  • Diabetes

  • Erhöhte Blutfettwerte

  • Erhöhter Harnsäurespiegel

  • Thrombophilie (erhöhte Neigung zu Thrombosen)

Auch wenn ein Glaukom (Grüner Star) oder ein erhöhter Augeninnendruckvorliegt, kann das RVO-Risiko ansteigen. 

Diagnose RVO – was nun?

Eine Diagnose ist nie eine angenehme Nachricht. Doch beim retinalen Venenverschluss gilt: Das Sehvermögen lässt sich durch eine konsequente Behandlung und ein paar gezielte Schritte im Alltag in vielen Fällen erhalten oder sogar wieder verbessern.

Im Mittelpunkt steht ein gefässgesunder Lebensstil:

  • Regelmässige Bewegung ist der wichtigste Faktor für gesunde Gefässe. Ein aktiver Lebensstil hilft, Blutdruck, Blutfettwerte und Blutzucker im Griff zu behalten.

  • Eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann das Risiko für Gefässverschlüsse ebenfalls deutlich senken.

So meisterst du deinen Alltag mit RVO

Bei manchen Menschen, die an einem retinalen Venenverschluss erkranken, lässt sich das Sehvermögen nicht vollständig wiederherstellen. Doch du bist mit dieser Diagnose nicht allein. Sprich offen mit deinen Angehörigen, Freundinnen und Freunden oder deinem Behandlungsteam darüber, was dich beschäftigt und welche Unterstützung dir guttun würde.

Oft helfen schon kleine Veränderungen im Alltag, klare Absprachen und das Gefühl, verstanden zu werden. Gemeinsam lassen sich Wege finden, mit der Erkrankung umzugehen und weiterhin möglichst selbstbestimmt zu leben.

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