Diagnose Multiple Sklerose
Wenn der Körper aus dem Gleichgewicht gerät: Unser Immunsystem ist darauf programmiert, den Körper vor Krankheitserregern zu schützen und dafür zu sorgen, dass gesunde Zellen unversehrt bleiben. Doch manchmal gerät dieses komplexe System aus der Balance und richtet sich plötzlich gegen den eigenen Körper.
Veröffentlicht am, 17. marzo 2026
MS – was ist das?
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS) und gehört zu den Autoimmunerkrankungen. Bei diesen richtet sich das Immunsystem nicht nur gegen Krankheitserreger, sondern auch gegen gesunde körpereigene Zellen und Organe. So entstehen bei MS Entzündungen an den Umhüllungen der Nervenfasern (Myelinscheiden) in Gehirn und Rückenmark.
Diese Entzündungen führen zu unterschiedlich starken Nervenschäden, die sich aber wieder von selbst zurückbilden können. Manche dieser Schäden bemerkt man gar nicht. Manchmal treten dadurch aber auch Koordinations- oder Sehstörungen auf, was häufige Frühzeichen von MS sind.
Häufige Symptome
Fehlgeleitete B- und T-Zellen
Bei Autoimmunerkrankungen wie der MS greift das Immunsystem körpereigene Zellen und Organe an. Lange hatte man bei der Behandlung von MS in erster Linie die T-Zellen als Angreifer der Nervenfasern im Visier. Neuere Erkenntnisse zeigen, dass auch die B-Zellen eine wichtige Rolle spielen. Gemeinsam verursachen B- und T-Zellen verschiedene Entzündungen, die schliesslich Schäden an der Nervenhülle (Myelinschicht) hervorrufen. Damit die fehlgeleiteten T- und B-Zellen die Myelinschicht angreifen können, müssen sie die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Diese soll das Zentrale Nervensystem (ZNS) vor schädlichen Erregern schützen und ist in intaktem Zustand auch für Immunzellen kaum durchlässig. Trotzdem gelangen die fehlgeleiteten Abwehrzellen in das Gehirn und Rückenmark. Dort rufen sie die für MS typischen Entzündungen an den Nervenfasern hervor.
1. Gegenseitige Stimulation der T- und B-Zellen
Fehlgeleitete B-Zellen erkennen bestimmte Oberflächenstrukturen der Myelinschicht und präsentieren diese den T-Zellen. So werden T-Zellen für den Angriff auf das Myelin aktiviert.
2. Freisetzung von entzündungsfördernden Botenstoffen
Aktivierte B- und T-Zellen setzen entzündungsfördernde Botenstoffe (Zytokine) frei. Sie regen fehlgeleitete Immunzellen an, sich gegen den eigenen Körper zu richten.
3. B-Zellen locken Fresszellen an
Fehlgeleitete B-Zellen können ausserdem Antikörper produzieren, die Fresszellen (Makrophagen) anlocken. Diese greifen das Gewebe zusätzlich an.
Umgang mit Angst
Die Diagnose einer chronischen Krankheit macht Angst. Wie geht es jetzt weiter? Wirst du Schmerzen haben? Wie kannst du mit MS weiterleben? Und was bedeutet die Diagnose für die Partnerschaft, die Familie oder die Kinder? Doch Angst lässt sich mit gezielten Strategien überwinden – und motiviert uns zu aktiven Veränderungen. Starte deshalb mit Mut in ein neues Leben!
Fünf Strategien, um Angst zu bewältigen
1. Informiere dich
Unsicherheit lässt viel Raum für Spekulationen. Sie macht uns empfänglich für unseriöse Gerüchte. Informiere dich über deine Krankheit und deine individuellen Behandlungsmöglichkeiten. Erfahre, was du selbst tun kannst, um deine Lebensqualität zu verbessern. Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Du kannst deinen Weg aktiv mitgestalten.
2. Richte den Blick nach vorne
Was macht dir Spass? Was möchtest du gerne erleben? Welches sind deine langfristigen Ziele? Halte deine Ideen und Gedanken in einem Notizbuch fest. Besprich deine Wünsche, Vorstellungen und deinen Lebensstil mit deiner Familie, deinem Freundeskreis sowie mit deinem Behandlungsteam.
3. Gestalte dein Leben
Konzentriere dich auf die Gegenwart statt über die Zukunft deiner Erkrankung zu spekulieren: Nimm einen Tag nach dem anderen. Wenn du machst, was dir Freude bereitet, bist du Gestalterin und Gestalter deines Lebens. So stärkst du dein Selbstbewusstsein und deine Eigenwahrnehmung und kannst besser mit Herausforderungen umgehen.
4. Sprich darüber
Reden hilft! Wenn du über deine Angst sprichst, verliert sie an Bedrohlichkeit. Die Sichtweise von Freundinnen, Freunden und Familienmitgliedern kann zudem neue Impulse geben.
5. Erinnere dich
Lenke deine Gedanken für eine Weile auf Dinge, die dich positiv stimmen: Was hast du in der Vergangenheit erreicht, worauf du stolz bist? Für welche Eigenschaften wirst du in deinem persönlichen oder beruflichen Umfeld geschätzt? All diese Aspekte machen dich aus. Die Gedanken daran machen dich zu einem starken Menschen.
Symptome von MS: Gestörte Reizweiterleitung
Welche Symptome auftreten, ist abhängig von der Schädigung der Nervenfasern. Sie sind so vielfältig, dass MS auch die „Krankheit der 1000 Gesichter“ genannt wird.
Wenn die Schutzschicht der Nerven leidet
Die meisten Nervenfasern des Zentralen Nervensystems (ZNS) werden von Myelinscheiden umhüllt. Sie haben eine ähnliche Funktion wie die Isolierschicht bei einem Stromkabel. Bei einem gesunden Nerv ist diese Isolierung intakt. So können als elektrische Impulse verschlüsselte Botschaften von Gehirn und Rückenmark über die Nervenbahnen durch den ganzen Körper geschickt werden. Sind die Myelinscheiden durch die MS geschädigt, können die Nervenfasern die Impulse nur träge weiterleiten. Die Informationsverarbeitung funktioniert nicht mehr korrekt.
Vielfältige Symptome
Da Entzündungen an ganz unterschiedlichen Stellen im Gehirn und Rückenmark auftreten können, zeigt sich die MS durch vielfältige Symptome und verläuft von Patientinnen zu Patienten ganz unterschiedlich. Grundsätzlich werden jedoch drei Formen des Verlaufs unterschieden – RRMS, SPMS und PPMS.
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Verlaufsformen der MS
