Behandlung von MS: Das kannst du tun
Nach der Diagnose macht es Sinn über einen zeitnahen Therapiestart nachzudenken.
Veröffentlicht am, 17. mars 2026
Keine Zeit verlieren
Multiple Sklerose ist eine chronische Erkrankung. Die Krankheitsaktivität ist bei den verschiedenen Verlaufsformen nicht konstant. Auch wenn die MS sich phasenweise still verhält, ist die Krankheit immer noch da: Sie ist nur weniger aktiv.
Die spürbaren Symptome sind sozusagen nur die Spitze des Eisbergs. Die Fehlreaktion des Immunsystems lässt sich heute gut in geordnete Bahnen lenken, auch wenn die Ursache der MS (noch) nicht heilbar ist. Es kann also jederzeit zu neuen Entzündungen kommen, die Beeinträchtigungen mit sich bringen.
In fast allen ärztlichen Behandlungsrichtlinien (Guidelines) wird NEDA für die Behandlung von Multipler Sklerose als Hauptziel definiert. Die Abkürzung steht für „No Evidence of Disease Activity“ – das bedeutet „Kein Anzeichen von messbarer Krankheitsaktivität“.
Die schwierigste Zeit in unserem Leben ist die beste Gelegenheit, innere Stärke zu entwickeln.
Dalai Lama
Therapieziele
Mit der Weiterentwicklung der MS-Medikamente haben sich auch die Therapieziele geändert. Inzwischen stehen für die MS-Therapie hochwirksame Substanzen zur Verfügung. Diese modernen MS-Medikamente zielen nicht mehr nur darauf ab, Schübe zu verhindern, sondern auch darauf, das Voranschreiten der Erkrankung zu bremsen.
Therapiewahl
Welches MS-Medikament du erhältst, hängt von deiner MS-Form und dem Verlauf der Erkrankung ab. Kommen für deine MS verschiedene Therapien infrage, entscheiden auch deine Lebensgewohnheiten und Vorlieben. Die Medikamente unterscheiden sich nicht nur in ihrer Wirkweise, sondern auch in der Art und Häufigkeit der Verabreichung.
Sprich mit deinem Behandlungsteam über die Möglichkeiten. Gemeinsam findet ihr die Therapie, die am besten zu dir und deinem Leben passt. Gezielte Fragen zur Entscheidungshilfe können dich bei der Therapiewahl unterstützen.
So kannst du dein Therapieziel erreichen
Medikamente, die den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen sollen, müssen regelmässig angewendet werden – auch dann, wenn die Symptome zwischenzeitlich wieder verschwinden. Befolge dabei genau die Anweisungen deines Behandlungsteams, zum Beispiel, wie und in welchen Abständen die Medikamente anzuwenden sind. Therapietreue – "Adhärenz" lautet der Fachbegriff – ist grundlegend für den Therapieerfolg.
Das konsequente Einhalten deines Therapieplans ist eine wichtige Voraussetzung, um die subklinische Krankheitsaktivität zu unterdrücken und den Krankheitsverlauf zu bremsen.
Übersicht der Zusatz-Therapien
Es gibt eine Vielfalt an Zusatztherapien zur medikamentösen Therapie, welche dir helfen können, dein Wohlbefinden zu stärken. Finde heraus, welche Therapieansätze zu dir passen und gestalte deinen Weg zu mehr Lebensqualität.
Im Rahmen der Ergotherapie trainierst du vor allem alltägliche Bewegungsabläufe. Die Feinmotorik der Finger lässt sich ideal mit Brettspielen wie "Halma" trainieren. Ergotherapie zielt darauf ab, Menschen mit chronischen Erkrankungen den Alltag zu erleichtern.
Wenn du Probleme beim Sprechen oder Schlucken hast, kann dir der Besuch einer logopädischen Praxis helfen. Dort kannst du an deiner Sprechgeschwindigkeit arbeiten oder funktionelle Übungen zum Training der für das Schlucken wichtigen Muskeln erlernen.
Moderne Therapiemöglichkeiten ermöglichen es, den Alltag selbstbestimmt und aktiv zu gestalten. Trotzdem stellt die Diagnose MS oftmals eine psychische Belastung dar. Das Gespräch mit einer Psychologin oder einem Psychologen kann dir helfen, die Diagnose zu verarbeiten und deinen Alltag mit der Krankheit besser zu bewältigen.
Vielleicht erlernst du eine Entspannungstechnik, mit der es dir gelingt, zwischendurch abzuschalten. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie progressive Muskelentspannung, Meditation, autogenes Training, Yoga, Tai-Chi oder Qigong. Probiere aus, was dir guttut.
Physio- und Sporttherapie können gegen eine Vielzahl körperlicher Beschwerden helfen, zum Beispiel bei Funktionsstörungen der Bewegungsmuskulatur. Durch gezieltes Training stärkst du geschwächte Muskeln. Ob sicheres Gehen, Stehen oder Greifen – dein Training beinhaltet individuell für dich ausgewählte Übungen. Sprich dein Behandlungsteam darauf an. Setze dir Ziele und werde aktiv!
Wer an MS erkrankt ist, möchte natürlich alle Behandlungsmöglichkeiten ausschöpfen. Vielleicht bist du bei deinen Recherchen schon auf komplementäre Therapien gestossen? Zu diesen zählen unter anderem die Fussreflexzonentherapie, Akupunktur, Homöopathie oder die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Diese Therapien sind nicht als Standardbehandlung etabliert, weil ihre Wirksamkeit in der Regel nicht durch klinische Studien belegt ist.
Welche Therapie passt zu mir?
Bei der Wahl der Therapie sind verschiedene Faktoren massgebend. Zum Beispiel deine Präferenz für die Einnahmeform (Tablette, Injektion oder Infusion) und die Häufigkeit der Einnahme (zweimal täglich, täglich, wöchentlich, monatlich, halbjährlich, usw.). Die Therapie sollte zu dir und deinem Leben passen: Möchtest du deine Medikamente täglich einnehmen? Passt monatlich besser für dich? Bist du beruflich sehr eingebunden und sind deine Termine knapp, ist also eine Therapie mit langer Therapiefreiheit sinnvoll? Sind Kinderwunsch und Familienplanung für dich Thema? Besprich all diese Fragen mit deinem Behandlungsteam.
Wenn du dich unabhängig von deinem Behandlungsteam oder zusätzlich informieren möchtest, bietet die Multiple Sklerose Gesellschaft (kurz MS Gesellschaft) als spezialisierte Anlaufstelle ein umfassendes Informationsangebot mit persönlichen Gesprächen nach Neudiagnose wie auch zur Langzeitberatung an.
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Leben mit MS
