Dein Hämophilie Lexikon
Die wichtigsten Begriffe rund um das Thema Hämophilie, praktisch an einem Ort gesammelt.
Veröffentlicht am, 27. März 2026
Medizinische Fachbegriffe sind oft kompliziert. Wir möchten dir helfen, sie besser zu verstehen. Hier findest du die wichtigsten Wörter rund um das Thema Hämophilie einfach erklärt.
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A
B
C
Adherenz
Der Begriff „Adhärenz“ bezeichnet die Bereitschaft, sich an die gemeinsam mit dem Behandlungsteam abgestimmten Therapien und sonstigen Massnahmen zu halten. Der deutsche Begriff dafür ist „Therapietreue“. Damit ist jedoch nicht nur die medikamentöse Therapie gemeint, sondern alle Vereinbarungen, die gemeinsam von der betroffenen Person und dem Behandlungsteam getroffen werden. Dazu gehören beispielsweise Physiotherapie oder eine Ernährungsumstellung.
Akut-Phase-Protein
Akut-Phase-Proteine (kurz APP)sind Eiweisse im Blut, deren Konzentration sich bei Entzündungen, Infektionen, Verletzungen oder Gewebeschäden verändert. Manche dieser Eiweisse steigen dann stark an, andere werden weniger. Sie werden überwiegend in der Leber gebildet. Ärztinnen und Ärzte nutzen diese Werte, um Entzündungen zu erkennen, deren Verlauf zu beurteilen oder den Erfolg einer Behandlung zu kontrollieren.
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Amniozentese
Die Amniozentese ist eine pränatale (vorgeburtliche) Untersuchung des Fruchtwassers. Dabei wird unter Ultraschallkontrolle eine kleine Menge an Fruchtwasser aus der Gebärmutter entnommen. Dieses enthält Zellen des Kindes, die auf genetische Veränderungen oder Chromosomenstörungen untersucht werden können. Die Untersuchung wird meist zwischen der 15. und 18. Schwangerschaftswoche durchgeführt und birgt ein geringes, aber vorhandenes Risiko. Im Rahmen einer Amniozentese kann auch festgestellt oder ausgeschlossen werden, ob eine Erkrankung mit Hämophilie besteht.
Das Labor ermittelt ob das ungeborene Kind betroffen, Überträger (Konduktor) oder nicht betroffen ist.
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Antikörper
Antikörper sind spezielle Eiweiße des Immunsystems. Sie erkennen fremde Strukturen wie Bakterien, Viren oder Toxine und binden sich gezielt an diese. Dadurch werden Krankheitserreger markiert und vom Immunsystem unschädlich gemacht. In bestimmten Erkrankungen können Antikörper auch gegen körpereigene Strukturen oder Medikamente gerichtet sein. In der Hämophilie-Therapie können sie sich gegen verabreichte Gerinnungsfaktoren richten und deren Wirkung blockieren. Diese Inhibitorbildung stellt eine besondere therapeutische Herausforderung dar.
Antiphospholipid-Syndrom
Das Antiphospholipid-Syndrom (kurz APS) ist eine Autoimmunerkrankung. Dabei bildet der Körper Antikörper, die die Blutgerinnung stören. Dies kann zu einem erhöhten Thromboserisiko oder zu Schwangerschaftskomplikationen führen.
Im Gegensatz zur Hämophilie, bei der die Blutgerinnung verlangsamt ist und es zu Blutungen kommt, führt APS zu einer erhöhten Gerinnungsneigung. Beide Erkrankungen betreffen die Blutgerinnung, jedoch auf entgegengesetzte Weise.
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Anämie
Anämie bedeutet Blutarmut. Sie liegt vor, wenn zu wenige rote Blutkörperchen oder zu wenig Hämoglobin im Blut vorhanden sind. Hämoglobin ist wichtig für den Sauerstofftransport im Körper. Menschen mit Anämie fühlen sich häufig müde, schwach, sind blass oder schnell außer Atem. Auch Konzentrationsprobleme können auftreten.
Bei Menschen mit Hämophilie kann eine Anämie zum Beispiel durch wiederholte oder stärkere Blutungen entstehen. Weitere mögliche Ursachen sind Eisenmangel oder chronische Erkrankungen.
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aPPC (aktiviertes Prothrombinkomplex-Konzentrat)
Unter Aktiviertes Prothrombinkomplex-Konzentrat (aPPC) versteht man ein Spezialmedikament zur Behandlung von Blutungen, vor allem bei Hämophilie mit Inhibitoren. Es enthält mehrere Gerinnungsfaktoren und kann die Blutgerinnung über Umwege – sogenannte Bypässe – unterstützen, wenn Faktorpräparate nicht ausreichend wirken. Die Anwendung erfolgt in der Regel intravenös und wird spezialärztlich überwacht, da selten auch Blutgerinnsel auftreten können.
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aPTT-Wert
aPTT steht für aktivierte partielle Thromboplastinzeit. Mit ihr kann die Zeit bis zur Blutgerinnung gemessen werden – daher wird aPTT in der Diagnostik von Gerinnungsstörungen eingesetzt. Der Normalwert liegt je nach Laborstandard bei 26–40 Sekunden.
aPTT-Wert bei Hämophilie A
Die aPTT ist unter anderem abhängig von Faktor VIII und Faktor IX. Deswegen tritt bei einer Hämophilie A und Hämophilie B eine verlängerte aPTT auf: Die Blutgerinnung ist gestört und dadurch verlangsamt. Zusätzlich wird die aPTT für die Verlaufskontrolle einer Hämophilie-Therapie herangezogen. Doch auch bestimmte Medikamente wie Acetylsalicylsäure können die aPTT beeinflussen.
Arthropathie
Arthropathie ist die medizinische Bezeichnung für Gelenkerkrankungen. Das Wort kommt aus dem Griechischen: arthron = Gelenk und pathos = Leiden. Es gibt entzündliche und nicht entzündliche Arthropathien.
Arthropathie bei Hämophilie A
Bei der Hämophilie A können Gelenkblutungen auftreten. Wird das Blut im Gelenk wieder abgebaut, entstehen Abbauprodukte, wie z. B. Eisen, die zu einer Entzündung führen können und die Gelenkstrukturen angreifen. Dadurch entstehen Schäden am Gelenk, die zu Schmerzen und Beeinträchtigungen führen können. Dann sprechen Expertinnen und Experten von einer hämophilen Arthropathie.
asymptomatisch
Asymptomatisch bedeutet, dass eine Krankheit oder ein medizinischer Zustand vorliegt, ohne dass spürbare Beschwerden (Symptome) auftreten. Betroffene fühlen sich gesund, obwohl eine Erkrankung vorhanden ist. Im Zusammenhang mit Hämophilie kann dies zum Beispiel auf Überträgerinnen oder auf milde Verlaufsformen zutreffen. Auch ohne Symptome kann eine medizinische Abklärung oder Beobachtung sinnvoll sein.
Bedarfsbehandlung
Als Bedarfsbehandlung – auch Akuttherapie oder On-Demand-Therapie genannt – bezeichnet man die Behandlung von bereits aufgetretenen Blutungen. Das Gegenteil der Bedarfsbehandlung ist die vorbeugende Behandlung – die Prophylaxe.
Bispezifischer Antikörper
Ein bispezifischer Antikörper bezeichnet einen gentechnisch (mithilfe moderner Biotechnologie im Labor produziert) hergestellten Antikörper, der gleichzeitig an zwei Rezeptoren bindet. Im Falle des Einsatzes bispezifscher Antikörper bei Hämophilie, bindet der Antikörper gleichzeitig an zwei Gerinnungsfaktoren und ersetzt so die Funktion des fehlenden Faktors VIII. Er wird zur Vorbeugung von Blutungen bei Hämophilie A eingesetzt und wirkt auch bei vorhandenen Inhibitoren.
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Blut
Blutzellen entwickeln sich im Knochenmark. Die dort angesiedelten Blutstammzellen produzieren rote und weisse Blutkörperchen (Lymphozyten, Granulozyten, Makrophagen) sowie Blutplättchen. Die ausgewachsenen Zellen gelangen ins Blut und übernehmen ihre spezifischen Aufgaben im Organismus.
Bluter
Hämophilie bedeutet „Blutungsneigung“ und war früher unter dem Begriff „Bluterkrankheit“ geläufig. Menschen mit der Erkrankung nennt man „Bluter“. Da – abhängig von der Art der Hämophilie – bestimmte Gerinnungsfaktoren im Blut fehlen, gerinnt bei Hämophilen das Blut langsamer als bei gesunden Menschen. Die Wunden schließen sich langsamer und Betroffene bluten länger.
Blutgerinnung
Wenn sich ein Mensch verletzt, sorgt die Blutgerinnung dafür, dass die Blutung gestillt und die Wunde geschlossen wird. Sie ist ein komplexer Vorgang, der aus mehreren Phasen und Komponenten besteht. Dieser Vorgang ist bei Menschen mit Hämophilie gestört.
Thrombozyten und Gerinnungsfaktoren
Im ersten Schritt lagern sich die Blutplättchen (Thrombozyten) an der Wunde zusammen. Sie „verstopfen“ die Wunde, sodass kein Blut mehr austreten kann. Dann kommen bestimmte Eiweisse hinzu, die sogenannten Gerinnungsfaktoren. Sie kommen in einer festgelegten Reihenfolge nacheinander zum Einsatz (Gerinnungskaskade) und ermöglichen die Schliessung und Heilung der Wunde.
Blutgerinnungsstörung
Bei einer Blutgerinnungsstörung ist – wie der Begriff vermuten lässt – die Blutgerinnung gestört. Bei einer Verletzung und der damit einhergehenden Blutung läuft die Gerinnung gar nicht oder verzögert ab.
Blutplättchen-Mangel
Das Fachwort für Blutplättchen-Mangel ist Thrombozytopenie oder auch Thrombopenie. Blutplättchen werden auch Thrombozyten genannt.
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Blutungsrate
Die Blutungsrate beschreibt, wie häufig Blutungen (wie Gelenk- oder Muskelblutungen) pro Jahr auftreten. Sie ist ein wichtiger Maßstab zur Beurteilung der Hämophilie-Therapie: Je besser die Behandlung individuell abgestimmt ist, desto wirksamer ist sie und desto seltener sollten Blutungen auftreten. Im Idealfall liegt die Blutungsrate bei Null.
Bypass / Bypass-Therapie
Ein Bypass bezeichnet in der Hämophilie-Behandlung ein Therapieprinzip, bei dem die normale Blutgerinnung über einen Umweg („Bypass“) aktiviert wird. Diese Therapie wird eingesetzt, wenn Inhibitoren vorhanden sind und herkömmliche Faktorpräparate nicht mehr wirken.
Dabei werden spezielle Medikamente (z. B. Faktor VIIa oder aPPC) verwendet, die die blockierte Stelle in der Blutgerinnung umgehen und dennoch die Bildung eines Blutgerinnsels ermöglichen. Ziel ist es, Blutungen trotz Inhibitoren wirksam zu stoppen oder ihnen vorzubeugen.
Bei der Bypass-Therapie werden sogenannte Bypass-Medikamente verabreicht. Diese umgehen die klassische Gerinnungskaskade mit der Aktivierung von Faktor VIII und führen zur Bildung von grossen Thrombin-Mengen auf den Thrombozyten. Da sie keinen bzw. nur geringfügige Mengen an Faktor VIII enthalten, können sie bei einer Hemmkörper-Hämophilie eingesetzt werden.
Anwendung von Bypass-Medikamenten
Bypass-Medikamente können sowohl als prophylaktische als auch als Bedarfsbehandlung angewendet werden. Die Verabreichung erfolgt oft mehrfach am Tag über eine Vene (intravenös).
Chorionzottenbiopsie
Die Chorionzottenbiopsie ist eine vorgeburtliche (pränatale) Untersuchung, bei der eine kleine Gewebeprobe aus der Plazenta entnommen wird. Da dieses Gewebe das gleiche Erbgut wie das ungeborene Kind enthält, können genetische Veränderungen oder Erbkrankheiten wie auch Hämophilie früh in der Schwangerschaft (etwa ab der 11 Woche) untersucht und festgestellt werden.
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Compliance
Der Begriff „Compliance“ besagt, dass eine Patientin oder ein Patient die vom Behandlungsteam festgelegte Therapie befolgt. Dabei wurde die Therapieentscheidung allein von der Ärztin oder dem Arzt getroffen und die betroffene Person war nicht an der Entscheidung beteiligt.
Unterschied zu Adhärenz
Im Gegensatz zur Adhärenz hat die betroffene Person bei der Compliance eine eher passive Rolle. Sie befolgt nur die Vorgaben vom Behandlungsteam und übernimmt selbst keine Verantwortung für die Therapieentscheidung.
D
F
G
Diagnose
Eine Diagnose bezeichnet die ärztliche Feststellung einer Krankheit. Sie basiert auf verschiedenen Informationen wie auf Gesprächen, körperlichen Untersuchungen, Laborwerten oder bildgebenden Verfahren. Ziel der Diagnose ist es, die Ursache der Beschwerde zu erkennen und eine passende Behandlung zu planen.
F8-Mutation
Eine F8-Mutation bezeichnet eine genetische Veränderung im Faktor-VIII-Gen (F8-Gen). Dieses Gen enthält den Bauplan für den Blutgerinnungsfaktor Faktor VIII. Durch die Mutation kann Faktor VIII fehlen oder nicht richtig funktionieren, was zu Hämophilie A führt.
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Faktor IX
Faktor IX ist ein Blutgerinnungsfaktor, der eine wichtige Rolle in der Blutgerinnung spielt. Er liegt im Blut zunächst in einer inaktiven Form vor und wird im Verlauf der Gerinnung zu Faktor IXa aktiviert. In aktivierter Form wirkt Faktor IX gemeinsam mit anderen Gerinnungsfaktoren daran mit, die Blutgerinnung zu verstärken und Blutungen zu stoppen. Ein Mangel an Faktor IX führt zur Hämophilie B.
Faktor IXa
Faktor IXa ist ein Blutgerinnungsfaktor und die aktivierte Form von Faktor IX. Er ist Teil der Blutgerinnungskaskade und arbeitet gemeinsam mit anderen Faktoren daran, die Gerinnung zu verstärken und Blutungen zu stoppen. Störungen in diesem Bereich spielen vor allem bei der Hämophilie eine wichtige Rolle.
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Faktor VII
Faktor VII ist ein Blutgerinnungsfaktor, der eine wichtige Rolle beim Start der Blutgerinnung spielt. Er liegt im Blut zunächst in einer inaktiven Form vor und wird bei einer Gefäßverletzung zu Faktor VIIa aktiviert. In aktivierter Form hilft er dabei, weitere Gerinnungsfaktoren zu aktivieren und so die Blutgerinnung in Gang zu setzen.
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Faktor VII-Mangel
Der Mangel an Faktor-VII wird fachlich auch Hypoprokonvertinämie genannt. Hierbei fehlt der Gerinnungsfaktor VII ganz oder teilweise, was zu einer erhöhten Blutungsneigung führen kann. Wie bei der Hämophilie gibt es unterschiedliche Schweregrade, abhängig von der Restaktivität des Faktors VII.
Die Erkrankung ist genetisch bedingt und wird rezessiv vererbt, das heißt, Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen und beide Elternteile müssen das veränderte Gen weitergeben.
Der Faktor-VII-Mangel ist selten und wird häufig zufällig diagnostiziert. Die Behandlung kann bei Bedarf oder vorbeugend (prophylaktisch) erfolgen.
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Faktor VIIa
Faktor VIIa ist ein Blutgerinnungsfaktor und die aktivierte Form von Faktor VII. Er spielt eine wichtige Rolle beim Start der Blutgerinnung, indem er nach einer Gefäßverletzung andere Gerinnungsfaktoren aktiviert. In der Medizin wird Faktor VIIa auch als Medikament eingesetzt, insbesondere zur Behandlung schwerer Blutungen oder bei Hämophilie mit Inhibitoren.
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Faktor VIII
Faktor VIII ist ein Blutgerinnungsfaktor, der eine zentrale Rolle bei der Blutgerinnung spielt. Er unterstützt bestimmte Enzymreaktionen, die notwendig sind, damit sich nach einer Verletzung ein stabiles Blutgerinnsel bilden kann und eine Blutung gestoppt wird.
Fehlt Faktor VIII oder funktioniert er nicht richtig, kommt es zur Hämophilie A und Blutungen können länger anhalten oder häufiger auftreten.
Faktor VIII-Ersatztherapie
Hämophilie A kann mit der Faktor VIII-Ersatztherapie behandelt werden. Sie wird auch Substitutionstherapie genannt und hat ihren Namen daher, dass der fehlende Faktor VIII durch einen (heutzutage) künstlich hergestellten Faktor VIII ersetzt (substituiert) wird. Dieser übernimmt dann die Funktion des fehlenden körpereigenen Faktor VIII.
Faktor X
Faktor X ist ein Blutgerinnungsfaktor, der eine Schlüsselrolle in der Blutgerinnung trägt. Er steht an einer wichtigen Schaltstelle der sogenannten Gerinnungskaskade und wird im Verlauf der Blutgerinnung zur aktivierten Form Faktor Xa umgewandelt. Faktor Xa ist notwendig für die Bildung von Thrombin, das wiederum zur Entstehung eines stabilen Blutgerinnsels beiträgt.
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Faktor Xa
Faktor Xa ist ein Blutgerinnungsfaktor und die aktivierte Form von Faktor X. Er entsteht, wenn Faktor X im Verlauf der Blutgerinnung aktiv wird. Faktor Xa spielt eine zentrale Rolle, da er gemeinsam mit weiteren Bestandteilen den sogenannten Prothrombinase-Komplex bildet. Dieser Komplex wandelt Prothrombin in Thrombin um. Ohne Faktor Xa kann die Blutgerinnung nicht wirksam abgeschlossen werden.
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Faktoraktivität
Die Faktoraktivität beschreibt, wie gut ein bestimmter Blutgerinnungsfaktor im Blut funktioniert. Sie wird in der Regel in Prozent angegeben und zeigt, wie viel funktionsfähiger Gerinnungsfaktor im Vergleich zu einem gesunden Normalwertvorhanden ist.
Eine normale Faktoraktivität liegt im Durchschnitt bei 50–150 %.
Bei Hämophilie ist die Faktoraktivität von Faktor VIII (Hämophilie A) oder Faktor IX (Hämophilie B) vermindert.
Die Höhe der Faktoraktivität bestimmt den Schweregrad der Erkrankung:
schwer: <1 %
mittel: 1–5 %
mild: >5 %
Dieser Wert ist entscheidend für die Diagnose, die Therapieplanung und die Einschätzung des Blutungsrisikos.
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Faktorpräparate
Faktorpräparate sind Medikamente, die fehlende oder nicht ausreichend funktionierende Blutgerinnungsfaktoren ersetzen. Sie werden vor allem bei Menschen mit Hämophilie eingesetzt, um Blutungen zu behandeln oder ihnen vorzubeugen.
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Fibrin
Fibrin ist ein wasserunlösliches Eiweiss, das bei der Blutgerinnung eine zentrale Rolle spielt. Es entsteht am Ende der Gerinnungskaskade aus Fibrinogen.
Fibrin bildet feine, fadenartige Strukturen, die sich zu einem stabilen Netz verbinden. Dieses Netz fängt Blutplättchen und Blutzellen ein und sorgt dafür, dass ein festes Blutgerinnsel entsteht, das eine Blutung abdichtet und stoppt. Bei der Hämophilie ist die Blutgerinnung gestört, sodass zu wenig oder verzögert Fibrin gebildet wird. Dadurch sind Blutgerinnsel instabil und Blutungen können länger andauern. Ziel der Behandlung ist es, die Fibrinbildung ausreichend zu ermöglichen.
Gelenkblutung
Eine Gelenkblutung entsteht, wenn sich Blut im Gelenk ansammelt, meist infolge einer Überstrapazierung der Gelenkinnenhaut. Das betroffene Gelenk wird dick, warm und schmerzt.
Gelenkblutungen treten besonders häufig bei schwerer Hämophilie auf, können jedoch auch bei milderen Verlaufsformen vorkommen. Eine rasche Behandlung ist wichtig, da Blut im Gelenk Knorpel und Knochen schädigen kann. Unbehandelt können dauerhafte Schäden und Bewegungseinschränkungen sowie die Entwicklung einer hämophilen Arthropathie die Folge sein.
Gentherapie
Bei einer Gentherapie wird das menschliche Erbgut gezielt verändert – mit dem Ziel eine genetisch verursachte Erkrankung zu behandeln oder sogar zu heilen. Expertinnen und Experten unterscheiden zwischen einer somatischen Gentherapie und einer Keimbahntherapie.
Gentherapie bei Hämophilie A
Auch für die Hämophilie A wird seit einiger Zeit an einer Gentherapie geforscht. Bei einem Ansatz wird den Betroffenen die Bauanleitung für den Faktor VIII verabreicht, der dann von Leberzellen produziert wird und sich über das Blut im ganzen Körper verteilt. Stand jetzt kann aber auch eine Gentherapie die Hämophilie nicht heilen.
Gerinnungsfaktoren
Gerinnungsfaktoren sind Eiweisse, die in der Leber gebildet werden. Sie kommen im Blut vor und sind wichtig für die Blutgerinnung und damit für den Wundverschluss.
Gerinnungskaskade
Die Faktoren für die Blutgerinnung werden mit römischen Zahlen bezeichnet und es gibt die Gerinnungsfaktoren I bis XIII (Faktor VI gibt es nicht). Normalerweise liegen die Gerinnungsfaktoren in inaktiver Form im Blut vor. Kommt es jedoch zu einer Verletzung und Blut tritt aus, wird die Gerinnungskaskade in Gang gesetzt. Dabei aktivieren sich die Gerinnungsfaktoren gegenseitig in einer festgelegten Reihenfolge. In der Bezeichnung wird die Aktivierung durch ein „a“ verdeutlicht: Faktor VIII wird zu Faktor VIIIa oder IX wird zu IXa.
Folgende Gerinnungsfaktoren gibt es:
Faktor I (Fibrinogen)
Faktor II (Prothrombin)
Faktor III (Gewebefaktor)
Faktor IV (Kalzium-Ionen)
Faktor V (Proakzelerin)
Faktor VII (Prokonvertin, Prothrombinogen)
Faktor VIII (Antihämophiliefaktor A)
Faktor IX (Antihämophiliefaktor B, Christmas-Faktor)
Faktor X (Stuart-Prower-Faktor)
Faktor XI (Rosenthal-Faktor)
Faktor XII (Hageman-Faktor)
Faktor XIII (Fibrin-stabilisierender Faktor)
Die Zahlen geben jedoch nicht die Position des Faktors in der Gerinnungskaskade an. So stehen Faktor I (Fibrinogen) und Faktor II (Prothrombin) ganz am Ende der Blutgerinnung. Durch den aktivierten Faktor IIa (Thrombin) kommt es zur Aktivierung des Faktor I zu Faktor Ia (Fibrin). Zusammen mit den Blutplättchen (Thrombozyten) bildet Fibrin dann den stabilen Wundverschluss, in den sich u. a. auch rote Blutkörperchen einlagern (roter Thrombus).
Wichtige Gerinnungsfaktoren bei Hämophilie
Fehlende Gerinnungsfaktoren sind die Ursache von Hämophilie. Bei der Hämophilie A ist der Faktor VIII nicht (ausreichend) im Blut vorhanden. Durch den Mangel an Gerinnungsfaktor VIII stoppt die Blutgerinnung und kann nicht komplett ablaufen. Die Ursache für die Hämophilie B ist der (teilweise) fehlende Faktor IX (auch Christmas-Faktor genannt). Auch hier wird die Gerinnung unterbrochen und es kommt zu keinem stabilen Wundverschluss.
Der beim Von-Willebrand-Syndrom fehlende Von-Willebrand-Faktor zählt streng genommen nicht zu den Gerinnungsfaktoren, da er nicht Teil der Gerinnungskaskade ist.
Gestörte Gerinnungskaskade bei Hämophilie
Bei hämophilen Personen ist diese Gerinnungskaskade gestört. Die primäre Hämostase läuft noch normal ab, aber die sekundäre Hämostase ist defekt. Abhängig von der Art der Hämophilie fehlt (oder ist zu wenig vorhanden) Faktor VIII (Hämophilie A) oder Faktor IX (auch Christmas-Faktor genannt, Hämophilie B). An dieser Stelle wird die Gerinnungskaskade unterbrochen und der nachfolgende Faktor nicht mehr aktiviert. Die Gerinnung kann nicht bis zum Ende durchlaufen und so die Wunde nicht schnell und stabil verschlossen werden.
Beim Von-Willebrand-Syndrom fehlt der Von-Willebrand-Faktor oder ist nicht voll funktionstüchtig. Diese zählt jedoch genau genommen nicht zu den Gerinnungsfaktoren, sondern ist bei der primären Hämostase von Bedeutung.
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GGT-Wert
Der GGT-Wert (Gamma-Glutamyl-Transferase) ist ein Leberwert, der auf Leberschäden oder -erkrankungen hinweisen kann.
Für Menschen mit Hämophilie ist er besonders relevant, wenn sie früher plasmabasierte Faktorpräparate erhalten haben und ein Risiko für Hepatitis-Infektionen besteht. Ein erhöhter GGT-Wert kann auf eine Belastung oder Schädigung der Leber hinweisen und sollte ärztlich abgeklärt werden.
GPT-Wert
Der GPT-Wert (Glutamat-Pyruvat-Transaminase) ist ein wichtiger Leberwert, der auf eine Schädigung oder Entzündung der Leber hinweisen kann. Ein erhöhter Wert zeigt, dass Leberzellen geschädigt wurden.
Für Menschen mit Hämophilie ist der GPT-Wert besonders relevant, wenn früher plasmabasierte Faktorpräparate angewendet wurden und ein Risiko für Hepatitis-Infektionen bestand. Regelmäßige Kontrollen helfen, mögliche Leberschäden frühzeitig zu erkennen.
H
I
K
Halbwertszeit
Die Halbwertszeit beschreibt die Zeit, nach der die Menge eines Wirkstoffs im Körper auf die Hälfte abgesunken ist. In der Hämophilie-Therapie gibt sie an, wie lange ein Gerinnungsfaktor oder Medikament wirksam bleibt. Sie ist wichtig für die Planung der Dosierung und der Abstände zwischen den Behandlungen.
Hemmkörper
Ein Hemmkörper ist ein Antikörper, den der Körper bildet und der die Wirkung eines Blutgerinnungsfaktors hemmt oder blockiert. In der Fachsprache nennt man Hemmkörper Inhibitoren.
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Heterozygot
Heterozygot bezeichnet einen genetischen Zustand, bei dem man eine normale und eine veränderte Variante eines Gens besitzt. Bei erblich bedingten Erkrankungen wie der Hämophilie kann dies bedeuten, dass eine Person Überträger der Erkrankung ist, ohne selbst ausgeprägte Symptome zu haben.
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Hämoglobin
Hämoglobin ist ein Eiweiss in den roten Blutkörperchen. Es bindet Sauerstoff in der Lunge und transportiert ihn zu den Organen und Geweben. Ein zu niedriger Hämoglobinwert kann auf eine Anämie (Blutarmut) hinweisen, die bei Hämophilie zum Beispiel durch wiederholte Blutverluste entstehen kann.
Hämophilie A
Hämophilie A ist eine angeborene, meist vererbte Blutgerinnungsstörung, die durch einen Mangel oder eine Funktionsstörung des Blutgerinnungsfaktors VIII verursacht wird. Faktor VIII ist notwendig, damit die Blutgerinnung richtig ablaufen und Blutungen zuverlässig gestoppt werden können.
Menschen mit Hämophilie A haben daher eine erhöhte Blutungsneigung. Blutungen können nach Verletzungen länger andauern, aber auch spontan, zum Beispiel in Gelenken oder Muskeln, auftreten. Die Erkrankung wird X-chromosomal vererbt, weshalb überwiegend Männer betroffen sind, während Frauen meist Überträgerinnen sind. Der Schweregrad der Hämophilie A hängt von der Faktor-VIII-Aktivität im Blut ab.
Hämophilie B
Wie die Hämophilie A ist auch die Hämophilie B eine Blutgerinnungsstörung mit erhöhter Blutungsneigung. Die Symptome sind ähnlich und auch hier sind Männer häufiger betroffen als Frauen – sie ist jedoch die seltenere Form der Hämophilie.
Ursachen der Hämophilie B
Menschen mit Hämophilie B haben keinen oder nur reduzierte Mengen des Gerinnungsfaktors IX (FIX), auch Christmas-Faktor (nach dem Patienten Stephen Christmas) genannt. Auch bei der Hämophilie B wird anhand der Restaktivität des FIX zwischen drei Schweregraden unterschieden:
milde
mittelschwere
und schwere Hämophilie B.
Die Behandlung kann – analog zur Hämophilie A – durch intravenöse Substitution des FIX erfolgen.
Hämophilie-Gen
Das Hämophilie-Gen ist ein mutiertes Gen auf dem X-Chromosom, das den Bauplan für einen wichtigen Blutgerinnungsfaktor enthält. Je nach Form der Hämophilie ist entweder das F8-Gen (Hämophilie A, Faktor VIII) oder das F9-Gen (Hämophilie B, Faktor IX) betroffen. Durch die Mutation wird der entsprechende Gerinnungsfaktor nicht ausreichend oder nicht funktionsfähig gebildet, was zu einer erhöhten Blutungsneigung führt.
Hämostase
Die Hämostase bezeichnet alle Vorgänge der Blutstillung. Sie besteht aus zwei Phasen:
In der primären Hämostase lagern sich Blutplättchen an die verletzte Gefäßwand an und bilden einen ersten, lockeren Verschluss.
In der sekundären Hämostase sorgen Gerinnungsfaktoren in einer festgelegten Abfolge (Gerinnungskaskade) dafür, dass ein stabiles Fibrinnetz entsteht und die Blutung dauerhaft gestoppt wird.
Bei Hämophilie ist die primäre Hämostase meist normal. Die Störung betrifft die sekundäre Hämostase, da wichtige Gerinnungsfaktoren (Faktor VIII bei Hämophilie A, Faktor IX bei Hämophilie B) fehlen – dadurch ist die Blutgerinnung verzögert oder unvollständig.
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i. v. (intravenös)
Die Abkürzung „i. v.“ bedeutet „intravenös“ und beschreibt die Verabreichung eines Medikaments direkt in eine Vene, also in ein Blutgefäss, das zum Herzen führt. Viele Hämophilie-Medikamente werden auf diesem Weg als Injektion oder Infusion gegeben.
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Immunglobuline
Immunglobuline sind der medizinische Fachbegriff für Antikörper. Es handelt sich um Eiweisse des Immunsystems, die fremde Stoffe erkennen und binden. In der Hämophilie spielen Immunglobuline eine Rolle, wenn sie sich als Inhibitoren gegen Gerinnungsfaktoren richten.
Inhibitor
Als Inhibitor bezeichnet man einen Antikörper, den der Körper bildet und der die Wirkung eines Blutgerinnungsfaktors hemmt oder blockiert. Bei Menschen mit Hämophilie richtet sich ein Inhibitor meist gegen den zugeführten Gerinnungsfaktor (z. B. Faktor VIII oder Faktor IX), sodass dieser nicht mehr richtig wirken kann.
Inhibitoren können die Behandlung erschweren und erfordern spezielle Therapien, wie zum Beispiel Bypass-Therapien oder alternative Medikamente.
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Inhibitorbildung
Inhibitorbildung bezeichnet den Prozess, bei dem der Körper beginnt, Antikörper gegen verabreichte Gerinnungsfaktoren zu bilden.
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Inhibitorform
Die Inhibitorform beschreibt eine Ausprägung der Hämophilie, bei der Inhibitoren vorhanden sind und die Behandlung erschweren.
Konduktorin
Eine Konduktorin bzw. ein Konduktor ist eine Frau, die eine Erbkrankheit übertragen kann, die aber selbst nicht erkrankt ist. Ein anderes Wort dafür ist Anlageträgerin bzw. Anlageträger.
Konduktorinnen in der Hämophilie A
In der Hämophilie A gibt es nur Konduktorinnen, da das defekte Gen auf dem X-Chromosom liegt, das ein Geschlechtschromosom ist. Frauen haben zwei X-Chromosomen – ist auf einem die Information für den Faktor VIII defekt, kann das andere X-Chromosom den Fehler ausgleichen. Männer haben ein X- und ein Y-Chromosom. Das Y-Chromosom kann den Fehler auf dem X-Chromosom nicht ausgleichen – deswegen sind hauptsächlich Männer von Hämophilie A betroffen. Theoretisch ist es aber auch möglich, dass Frauen erkranken. Das passiert dann, wenn ein Mädchen von beiden Eltern ein X-Chromosom mit der fehlerhaften Information für Faktor VIII bekommt – wenn also der Vater an Hämophilie A erkrankt ist und die Mutter Konduktorin ist.
kontraindiziert
Kontraindiziert bedeutet, dass eine bestimmte Behandlung, Untersuchung oder ein Medikament nicht angewendet werden darf, weil es für die betroffene Person schädlich oder gefährlich sein kann.
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M
N
P
MCV-Wert
Der MCV-Wert (Mean Corpuscular Volume) gibt die durchschnittliche Grösse der roten Blutkörperchen an. Bei Hämophilie ist er vor allem dann relevant, wenn es durch wiederholte oder stärkere Blutungen zu einer Blutarmut (Anämie) kommt. Ein erniedrigter MCV-Wert kann auf einen Eisenmangel infolge chronischen Blutverlusts hinweisen.
Muskelblutung
Normalerweise entstehen Muskelblutungen durch Stösse, Zerrungen oder andere Verletzungen. Bei Menschen mit schwerer Hämophilie können sie auch spontan und ohne erkennbaren Grund auftreten. Dabei schwillt die Stelle an, wird warm und die Haut färbt sich eventuell blau. Zusätzlich kann es zu Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und einem Taubheits- oder kribbelndem Gefühl kommen.
Folgen einer Muskelblutung
Bei einer Muskelblutung sammelt sich Blut im Muskel und drückt auf das umliegende Gewebe sowie die Nerven. Das kann sehr schmerzhaft sein und sollte zeitnah behandelt werden, um Folgeschäden wie Muskelschrumpfungen und daraus folgende Gelenkfehlstellungen zu vermeiden.
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Mutation
Eine Mutation ist eine dauerhafte Veränderung im Erbgut (der DNA). Sie betrifft den genetischen Bauplan eines Gens und kann dazu führen, dass ein bestimmtes Eiweiss (zum Beispiel ein Blutgerinnungsfaktor) nicht richtig oder gar nicht gebildet wird. Bei Hämophilie ist eine Mutation die Ursache der Erkrankung.
Nicht-Faktor-basierte Therapie
Nicht-Faktor-basierte Therapien haben einen anderen Ansatz als Faktor-basierte Therapien. Bei ihnen wird kein plasmatisch oder gentechnologisch hergestellter Ersatzfaktor VIII oder IX verabreicht. Das Problem des fehlenden Faktor VIII oder IX wird auf andere Weise umgangen.
Anwendung von Nicht-Faktor-basierten Therapien
Ein Vorteil der Nicht-Faktor-basierten Therapien ist, dass der Körper keine Hemmkörper gegen den zugeführten Faktor VIII entwickeln kann und so diese Therapie auch für Betroffene mit einer Hemmkörper-Hämophilie infrage kommt. Die Therapien werden prophylaktisch verabreicht.
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Persistenz
Der Begriff „Persistenz“ beschreibt, wie lange eine Therapie konsequent angewendet wird. Dabei ist es unerheblich, ob die Therapie gemeinsam von Patientin oder Patient und Behandlungsteam vereinbart wurde oder ob eine Ärztin bzw. ein Arzt sie ohne die Beteiligung der betroffenen Person an der Therapieentscheidung verordnet hat.
Wichtig für den Therapieerfolg
Eine gute Adhärenz und anhaltende Persistenz ermöglichen die besten Therapieerfolge. Nur wenn eine Therapie konsequent und dauerhaft angewendet wird, können die erwarteten Ziele erreicht werden.
Plasma
Plasma ist der flüssige Bestandteil des Blutes. Wenn man Blut von festen Bestandteilen trennt (z. B. rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen, Blutplättchen), bleibt das Plasma übrig. Es enthält unter anderem Eiweisse, Hormone und Blutgerinnungsfaktoren, die für die Blutstillung wichtig sind.
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plasmabasiert
Plasmabasiert bezeichnet Medikamente, die aus menschlichem Blutplasma gewonnen werden. Bei Hämophilie werden plasmabasierte Präparate verwendet, um fehlende Gerinnungsfaktoren zu ersetzen. Diese werden aus dem Plasma von gesunden Spender:innen gewonnen. Die Herstellung erfolgt unter strengen Sicherheitskontrollen.
Prophylaxe
Als Prophylaxe oder prophylaktische Therapien werden Behandlungen bezeichnet, die regelmässig verabreicht werden und bestimmte Ereignisse – im Fall von Hämophilie Blutungen – verhindern sollen. Das Gegenteil davon ist die Bedarfsbehandlung.
Prophylaktische Therapie bei Hämophilie A
Viele Hämophilie-Medikamente können als Prophylaxe eingesetzt und dabei in verschiedenen Zeitintervallen verabreicht werden. Besonders Betroffene mit moderater und schwerer Hämophilie erhalten häufig eine prophylaktische Therapie, um Spontanblutungen vorzubeugen. Eine prophylaktische Behandlung schliesst eine Bedarfsbehandlung nicht aus und ist sogar im Falle von Blutungen indiziert.
Prothrombinase-Komplex
Der Prothrombinase-Komplex ist ein Zusammenschluss mehrerer Gerinnungsfaktoren, darunter Faktor Xa, der eine zentrale Rolle in der Blutgerinnung spielt. Er wandelt Prothrombin in Thrombin um. Thrombin ist notwendig für die Bildung von Fibrin und damit für ein stabiles Blutgerinnsel.
pränatal
Pränatal bedeutet „vor der Geburt“. Der Begriff wird für Untersuchungen oder Eingriffe während der Schwangerschaft verwendet.
R
S
T
Radiosynoviorthese
Die Radiosynoviorthese ist ein Behandlungsverfahren bei chronischer Synovitis (Gelenkinnenhautentzündung), wie sie häufig infolge wiederholter Gelenkblutungen bei Hämophilie auftritt. Dabei wird eine schwach radioaktive Substanz in das betroffene Gelenk injiziert, um die entzündete Gelenkinnenhaut gezielt zu veröden.
Ziel ist es, Entzündung, Schwellung und Schmerzen zu reduzieren sowie weitere Gelenkblutungen zu verhindern. Die Wirkung tritt verzögert ein, kann jedoch langfristig die Blutungsrate und das Fortschreiten einer hämophilen Arthropathie verringern.
RDW-Wert
RDW steht für die Volumenverteilung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) (RDW = engl. red cell distribution width). Ein Synonym dafür ist die Erythrozytenverteilungsbreite (EVB). Normalerweise ändern sich Volumen und Verteilung der roten Blutkörperchen nicht. Ist der RDW-Wert auffällig, liegt vermutlich eine Erkrankung vor.
Bedeutung RDW-Wert bei Hämophilie A
Bei einer Blutuntersuchung können der RDW-Wert und weitere Werte genauer analysiert werden. Sie geben Aufschluss darüber, ob und welche Blutkörperchen zu wenig vorhanden sind und ob genügend Sauerstoff transportiert wird. Durch sie kann auch die Ursache einer Blutarmut (Anämie) herausgefunden werden. Ein niedriger RDW-Wert deutet auf eine Anämie hin, ausgelöst beispielsweise durch eine Blutung.
Retikulozyt
Retikulozyten sind junge, noch unreife rote Blutkörperchen. Ihre Anzahl im Blut zeigt, wie aktiv das Knochenmark neue Blutzellen bildet.
Bei Hämophilie ist der Wert vor allem nach stärkeren oder wiederholten Blutungen relevant, da er Hinweise darauf gibt, ob der Körper den Blutverlust ausreichend ausgleicht oder eine Blutarmut (Anämie) vorliegt.
rezessiv
Der Begriff „rezessiv“ beschreibt eine Form der Vererbung, bei der sich eine genetische Veränderung nur dann auswirkt, wenn keine gesunde Genkopie vorhanden ist. Hämophilie wird X-chromosomal rezessiv vererbt, weshalb überwiegend Männer erkranken, während Frauen meist Überträgerinnen sind.
Ein weiteres Beispiel für eine rezessive Vererbung sind die blauen Augen beim Menschen.
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s. c. (subkutan)
Die Abkürzung „s. c.“ steht für „subkutan“ und bedeutet so viel wie „unter die Haut“.
Subkutane Medikamentengabe
Medikamente, die subkutan verabreicht werden, werden mit einer Spritze oder einem Pen ins Unterhautfettgewebe verabreicht.
Shared Decision Making (SDM)
Shared Decision Making ist ein Modell der gemeinsamen Entscheidungsfindung, bei welchem Ärztin/Arzt und Patientin/Patient aktiv Informationen austauschen, verschiedene Behandlungsoptionen abwägen und partnerschaftlich eine Entscheidung fällen. Entscheidend für das Gelingen vom Shared Decision Making ist, dass die Ärztin/der Arzt während der ganzen Konsultation eine Atmosphäre schafft, in welcher sich die Patientin/der Patient frei äussern kann.
Somatische Gentherapie
Bei der somatischen Gentherapie wird das Erbgut von (bestimmten) Körperzellen verändert. Die Therapie beschränkt sich somit auf die behandelte Person.
Die andere Möglichkeit der Gentherapie ist die Keimbahntherapie. Dabei wird das Erbgut in der Keimbahn (Eizellen, Spermien oder Vorstufen davon) verändert und so das Erbgut von möglichen Nachkommen verändert.
Therapieoption bei Hämophilie A
Auch für Hämophile bietet die Gentherapie eine Therapieoption. Für Betroffene ist eine somatische Gentherapie die einzige Chance auf eine mögliche Heilung. Derzeit laufen hierzu zahlreiche Studien.
Spontanblutung
Eine Spontanblutung ist eine Blutung, die ohne erkennbare äussere Verletzung auftritt. Sie entsteht durch eine gestörte Blutgerinnung und kann zum Beispiel in Gelenken, Muskeln oder inneren Organen vorkommen.
Bei Menschen mit schwerer Hämophilie können Spontanblutungen besonders häufig auftreten und erfordern eine rasche medizinische Behandlung.
Substitutionstherapie
Die Substitutionstherapie (oder auch Ersatztherapie) ist eine Behandlungsform, bei der dem Körper fehlende oder nicht ausreichend vorhandene Stoffe ersetzt werden.
Bei Hämophilie bedeutet dies, dass fehlende Blutgerinnungsfaktoren (z. B. Faktor VIII bei Hämophilie A oder Faktor IX bei Hämophilie B) regelmäßig zugeführt werden, um Blutungen zu behandeln oder ihnen vorzubeugen.
Symptome
Symptome sind Anzeichen oder Beschwerden, die von Patienten wahrgenommen werden und auf eine Krankheit hinweisen.
Bei Hämophilie äussern sich Symptome häufig durch verlängerte Blutungen, Gelenk- oder Muskelblutungen sowie eine erhöhte Blutungsneigung.
Synovektomie
Die Synovektomie ist ein operativer Eingriff, bei dem entzündete Gelenksinnenhaut entfernt wird, um Schmerzen zu lindern und wiederholte Gelenkblutungen zu reduzieren.
Synovitis
Als Synovitis bezeichnen Medizinerinnen und Mediziner eine Entzündung der Gelenkinnenhaut. Durch wiederholt auftretende Gelenkblutungen kann es zu Entzündungsreaktionen im Gelenk kommen, die zu Schäden und wiederum zu einem erhöhten Blutungsrisiko führen können.
Symptome der Synovitis
Mögliche Symptome einer Synovitis sind Erwärmung, Schwellungen, Schmerzen, Missempfindungen oder Bewegungseinschränkungen. Da sie denen einer Blutung sehr ähneln, ist es nicht immer einfach, eine Synovitis zu erkennen. Sie sollte jedoch immer schnell behandelt werden.
Therapie
Eine Therapie bezeichnet alle medizinischen Massnahmen zur Behandlung oder Vorbeugung einer Krankheit. Bei Hämophilie umfasst die Therapie unter anderem die Gabe von Faktorpräparaten, nicht-faktorbasierte Behandlungen, Prophylaxe sowie spezielle Therapien bei Inhibitoren.
Thrombozyten
Als „Thrombozyten“ bezeichnet man im Fachjargon die Blutplättchen. Diese lagern sich an einer Wunde und „verstopfen“ diese, sodass kein Blut mehr austreten kann. Kombiniert mit Eiweissen (den sogenannten Gerinnungsfaktoren) ermöglichen sie die Schliessung und Heilung einer Wunde.
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Thrombozytopenie
Thrombozytopenie bezeichnet einen Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten). Da Thrombozyten für den ersten Wundverschluss wichtig sind, kann es bei einem Mangel zu vermehrten Blutungen wie blauen Flecken oder Schleimhautblutungen kommen. Im Gegensatz zur Hämophilie sind bei einer Thrombozytopenie die Gerinnungsfaktoren normal vorhanden. Während bei der Hämophilie die sekundäre Hämostase gestört ist, betrifft die Thrombozytopenie die primäre Hämostase. Treten beide Störungen gleichzeitig auf, kann sich die Blutungsneigung verstärken.
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Thrombus
Ein Thrombus ist ein Blutgerinnsel, das sich innerhalb eines Blutgefäßes bildet. Er kann den Blutfluss teilweise oder vollständig behindern. Thromben spielen bei Hämophilie normalerweise keine Rolle, sind aber ein wichtiges Gegenbeispiel.
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V
X
Z
Von-Willebrand-Faktor
Der Von-Willebrand-Faktor (VWF) ist ein Protein (Eiweiss) im Blut. Er hat verschiedene Aufgaben, zu denen unter anderem der Transport und Schutz von Gerinnungsfaktor VIII gehören.
Folgen von Von-Willebrand-Faktor-Mangel
Fehlt der VWF oder ist er zu wenig vorhanden oder nicht voll funktionsfähig, haben die betroffenen Personen das Von-Willebrand-Syndrom und leiden an einer Blutgerinnungsstörung. Zwar wird der VWF oft als Gerinnungsfaktor bezeichnet, streng genommen gehört er aber nicht dazu, da er nicht direkt an der Gerinnungskaskade beteiligt ist.
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Von-Willebrand-Syndrom
Das Von-Willebrand-Syndrom (VWS) wurde erstmals 1926 von Erik Adolf von Willebrand beschrieben. Es ist die weltweit häufigste angeborene Blutgerinnungsstörung und betrifft ca. ein Prozent der Bevölkerung, wobei Männer und Frauen gleich oft betroffen sind. Beim VWS ist die primäre Blutstillung (erster, vorläufiger Wundverschluss) betroffen. Das häufigste Symptom sind langanhaltende Schleimhautblutungen wie Nasen- oder Zahnfleischbluten.
Verschiedene Formen des Von-Willebrand-Syndrom
Das VWS wird in drei verschiedene Typen unterteilt: Typ 1, 2 und 3.
Bei Typ 1 ist weniger Von-Willebrand-Faktor (VWF) vorhanden (quantitativer Defekt). Er macht ca. 60 bis 80 Prozent der VWS-Fälle aus und Betroffene können ein fast normales Leben führen.
Typ 2 lässt sich in weitere Unterformen unterteilen und zeichnet sich durch eine gestörte Funktionsweise des vWF aus (qualitativer Defekt). Etwa 15 bis 20 Prozent der Betroffenen zählen zu Typ 2.
Die seltenste und schwerste Form ist Typ 3 – hier fehlt der VWF völlig.
XY-Chromosom
Menschen haben insgesamt 46 Chromosomen: 44 Autosomen und 2 Gonosomen.
Die Gonosomen sind die Geschlechtschromosomen, auch bekannt als X- und Y-Chromosom. Frauen haben zwei X-Chromosomen und Männer ein X- und ein Y-Chromosom.
Autosomen enthalten die Erbinformationen für die allgemeinen Merkmale des Körpers, die unabhängig vom Geschlecht sind. Dazu gehören zum Beispiel Haar- und Augenfarbe, Körpergrösse, Stoffwechselvorgänge oder Aufbau von Organen.
Die Rolle von Chromosomen bei Hämophilie A
In diesem Unterschied liegt auch der Grund, warum hauptsächlich Männer an Hämophilie A erkranken. Die Information für den Faktor VIII liegt auf dem X-Chromosom. Ist diese Information auf einem X-Chromosom defekt, haben Frauen ein zweites, welches die intakte Information liefern kann. Das Y-Chromosom bei Männern kann diesen Defekt nicht ausgleichen – es kommt zur Hämophilie A durch den fehlenden/nicht ausreichenden Faktor VIII.
Zielgelenk
Zielgelenke sind Gelenke, in denen besonders häufig Blutungen auftreten – laut Definition mindestens drei Blutungen in sechs Monaten. Am häufigsten sind Ellenbogen-, Knie- und Sprunggelenke betroffen. Menschen mit Hämophilie können auch mehrere Zielgelenke gleichzeitig entwickeln.
Entstehung von Zielgelenken
Treten in einem Gelenk regelmässig Blutungen auf, steigt das Risiko für weitere Blutungen. So kann leicht ein Teufelskreis entstehen, der zu dauerhaften Gelenkschäden, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen kann. Um dem vorzubeugen, sollten Gelenkblutungen immer sofort behandelt werden.
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