MS Verlaufsformen: verstehen, was zählt
Multiple Sklerose (MS) verläuft nicht bei allen Menschen gleich. RRMS, SPMS und PPMS stehen für drei Verlaufsformen der Erkrankung. Hier erfährst du, was sie unterscheidet und was das für deinen Alltag bedeutet.
Veröffentlicht am, 27. juillet 2026
Warum Multiple Sklerose bei jedem anders ist
MS ist keine seltene Erkrankung: Weltweit leben laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund 1,8 Millionen Menschen mit MS, in der Schweiz sind es gemäss Schweizer MS-Register rund 18.000. Hinter jeder dieser Zahlen steht ein Mensch mit eigenen Erfahrungen und einem eigenen Weg mit der MS. Denn die Erkrankung verläuft bei keinem Menschen gleich.
Ein zentraler Unterschied liegt darin, ob die MS in Schüben kommt oder langsam und stetig fortschreitet. Daraus ergeben sich drei Verlaufsformen: die schubförmig remittierende MS (RRMS), die sekundär progrediente MS (SPMS) und die primär progrediente MS (PPMS).
Welche MS-Form betrifft dich?
Symptome, die kommen und wieder gehen. Zwischen den Schüben liegen oft längere, ruhige Phasen. Mehr Erfahren.
Erst Schübe, später ein eher schleichendes Fortschreiten. Mehr Erfahren.
In der Regel keine Schübe, sondern ein langsames, stetiges Fortschreiten von Beginn an. Mehr Erfahren.
Schubförmig remittierende MS (RRMS)
Bei den meisten Betroffenen beginnt die MS mit Schüben. Diese Form wird als schubförmig remittierende MS (RRMS) bezeichnet. „Remittierend" beschreibt ihr Kennzeichen: Nach einem Schub bilden sich die Symptome ganz oder teilweise wieder zurück, dazwischen liegen ruhigere Phasen.
Diese Form bleibt nicht immer, wie sie am Anfang ist. Nach und nach kann sich das Muster verschieben: Die Schübe werden seltener, und die Beschwerden nehmen langsam, aber stetig zu. Geht die MS in diesen dauerhaft fortschreitenden Verlauf über, spricht man von einer sekundär progredienten MS (SPMS).
Was genau passiert bei der schubförmigen MS?
Am deutlichsten spürbar wird die RRMS in ihren namensgebenden Schüben. In einem Schub tauchen neue Symptome auf oder bestehende werden stärker, zum Beispiel ein Kribbeln, verschwommenes Sehen oder Schwäche. Meist baut er sich über Stunden bis Tage auf und hält unterschiedlich lange an.
Nach einem Schub bilden sich die Symptome häufig wieder zurück, bei den einen ganz, bei anderen bleibt ein Rest. In den ruhigen Phasen dazwischen bleibt der Zustand meist stabil.
Was ist ein Schub?
Fachlich definiert sich ein MS-Schub über vier Punkte:
Neue Beschwerden treten auf oder bestehende verstärken sich.
Die Beschwerden halten länger als einen Tag an.
Seit dem letzten Schub sind mindestens 30 Tage vergangen.
Ein Infekt oder Fieber ist nicht die Ursache.
Nicht jede vorübergehende Verschlechterung ist also ein Schub. Verstärken sich Symptome zum Beispiel bei einem Infekt oder Fieber, ist das meist vorübergehend.
Häufig gestellte Fragen zur RRMS
Ja. Auch ohne spürbare Schübe kann die Erkrankung fortschreiten. Diese sogenannte subklinische Aktivität lässt sich zum Beispiel im MRT nachweisen.
Ja. Symptome können je nach Tagesform unterschiedlich stark ausfallen, auch unabhängig von einem Schub.
Betroffen von der RRMS sind häufiger Frauen als Männer, meist im Alter zwischen 20 und 40 Jahren.
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Behandlung von MS – welche Möglichkeiten es bei MS gibt und was du selbst tun kannst, im Überblick.
Sekundär progrediente MS (SPMS)
Die sekundär progrediente MS (SPMS) bezeichnet ein späteres Stadium der Erkrankung. Sie entsteht, wenn eine zuvor schubförmige MS in ein dauerhaftes Fortschreiten übergeht: Die Schübe werden seltener, und die Beschwerden nehmen langsam, aber stetig zu.
Die Mischform rSPMS
Im Übergang von der RRMS zur SPMS kann eine Mischform auftreten, die sogenannte schubförmig progrediente Form (rSPMS). Bei ihr nehmen die Beschwerden bereits langsam und stetig zu. Gleichzeitig kommen aber noch einzelne Schübe hinzu.
Was passiert bei der sekundär progredienten MS?
Für Betroffene fühlt sich die SPMS anders an als die schubförmige Phase davor: Das bekannte Auf und Ab der Schübe fällt weg, die Beschwerden verändern sich eher langsam über längere Zeit. Das kann zunächst ungewohnt sein.
Im Alltag verschiebt sich damit der Blick: weg von der Sorge vor einem erneuten Schub, hin zum Wahrnehmen kleiner Veränderungen. Es sind auch Phasen möglich, in denen sich wenig verändert und die Krankheit stabil bleibt. Ganz verschwunden ist die MS in diesen ruhigeren Phasen aber nicht, sie ist dann nur weniger aktiv.
Häufig gestellte Fragen zur SPMS
Die SPMS entwickelt sich aus einer zuvor schubförmigen MS. Die PPMS schreitet dagegen von Anfang an fort, ohne vorherige schubförmige Phase.
Meist erst nach vielen Jahren mit schubförmiger MS. In der Frühphase tritt sie nur selten auf.
Ja. Auch bei einem fortschreitenden Verlauf sind Phasen möglich, in denen die Krankheit stabil bleibt.
Primär progrediente MS (PPMS)
Die primär progrediente MS entwickelt sich von Anfang an anders als die schubförmige. Sie schreitet von Beginn an langsam und stetig fort, ohne klar abgegrenzte Schübe. Genau das beschreibt auch ihr Name: „primär" steht für von Anfang an, „progredient" für fortschreitend.
Was passiert bei der primär progredienten MS?
Anders als bei der schubförmigen MS gibt es bei der PPMS meist keine deutlichen Schübe und danach auch keine ausgeprägten Erholungsphasen. Dadurch können Veränderungen eher bestehen bleiben, und Einschränkungen zeigen sich unter Umständen früher. Das kann zunächst beunruhigen. Es bedeutet aber nicht, dass es ununterbrochen schlechter wird: Auch ruhigere Phasen sind möglich, in denen sich wenig verändert. Für den Alltag bleibt häufig vieles planbar.
Häufig gestellte Fragen zur PPMS
Die genaue Ursache von Multiple Sklerose ist nicht bekannt. Vermutet wird ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung und Umwelteinflüssen.
Eine PPMS lässt sich nicht mit einem einzigen Test nachweisen. Die Diagnose ergibt sich aus MRT, Krankengeschichte und dem Verlauf über die Zeit.
PPMS beginnt oft erst nach dem 40. Lebensjahr und ist die seltenste der drei Verlaufsformen.
Symptome bei Multiple Sklerose
Bei MS greift das Immunsystem irrtümlich die Myelinscheide an, die Schutzhülle der Nervenfasern in Gehirn und Rückenmark. Ist sie beschädigt, werden Nervensignale langsamer oder unvollständig weitergeleitet. Wo diese Schäden liegen, ist bei jedem Menschen anders, deshalb unterscheiden sich auch die Symptome der MS.
Wie kannst du als Angehörige:r unterstützen?
Wenn ein Mensch MS hat, verändert das auch das Leben der Menschen um ihn herum. Als Partner:in, Familienmitglied oder Freund:in möchtest du unterstützen und stehst dabei vielleicht selbst vor Fragen und Unsicherheiten.
Ein paar Dinge können dabei helfen, gut zu unterstützen, ohne sich selbst zu verlieren:
die Verlaufsformen verstehen, auch unsichtbare Beschwerden wie Müdigkeit
da sein, ohne alles zu übernehmen
miteinander im Gespräch bleiben
die eigenen Kräfte nicht aus dem Blick verlieren
Denn wer für jemanden da ist, darf auch für sich selbst sorgen. Speziell für Angehörige gibt es unabhängige Unterstützung bei der Schweizerischen MS-Gesellschaft, etwa über den Angehörigen-Support. Für den Austausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen bietet sich zudem die Plattform EnableMe an.
Was sind die nächsten Schritte?
Je besser du die Verlaufsformen und deinen eigenen Verlauf verstehst, desto eher kannst du deinen Weg aktiv mitgestalten. Und du musst nicht alles auf einmal klären. Oft geben schon ein paar kleine Schritte Orientierung:
Fragen und Beobachtungen für das nächste Arztgespräch sammeln
offen mit deinem Behandlungsteam über Veränderungen sprechen
Austausch und Beratung suchen
So kannst du nach und nach einen Weg finden, im Alltag gut mit dem Verlauf deiner MS zurechtzukommen.
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Wichtiges auf einen Blick – häufige Fragen